Angriff der Schnecken

Datum: 14.04.2014
Mittagsposition: Falmouth, England
Wetter: kalt
Autorin: Sophia

Ich werde von einer feuchtkalten Berührung auf meinem Gesicht wach. Sonnenstrahlen scheinen durch das Blätterdach und hüllen mein kleines Lager in goldene Töne. Noch völlig verschlafen, brauche ich einige Momente, bis ich begreife, dass ich durch eine Schnecke, die es sich auf meinem Gesicht bequem gemacht hat, aufgewacht bin. Ich grummele sie an und entferne sie eher unsanft von meiner Backe.
Es ist eigenartig, von selbst und v.a. alleine aufzuwachen. Sonst gibt es immer jemanden, der mich weckt oder mit mir aufsteht. Es gibt mir einen kleinen Vorgeschmack auf zu Hause. Dort habe ich ein großes Bett und ein Zimmer für mich allein und ich kann nicht mehr mit meiner Wache zusammen frühstücken. Dieser Gedanke ist schrecklich und ich versuche mein Bestes, ihn wieder zu verwerfen. Da ich meine Uhr an der Betreuerbasis zurückgelassen habe, habe ich überhaupt keine Ahnung, wie viel Zeit unserer 18 Stunden „Solo“ bereits vergangen ist.
Meine Füße fühlen sich immer noch an, als wären sie gefroren und mein Nacken schmerzt, weil meine Matte an einem Hang liegt. Eins steht für mich schon mal fest: Ich verlasse diesen Schlafsack nicht, bevor es hier nicht wärmer wird!
Als mir mein verbliebener Müsliriegel einfällt, krieche ich letztendlich doch aus dem Schlafsack. Ich setze mich in die Sonne, lehne mich zurück und genieße die Stille. Auf der Thor haben wir eine Dauerlärmbelastung, weil entweder die Hauptmaschine, der Generator, die Osmoseanlage oder die Lüftung läuft und es kommt eigentlich nie vor, dass es wirklich still ist. Weiterlesen

Werbeanzeigen