Einlaufen Azoren – das erste Mal Europa seit 4 Monaten

Datum: 27.03.2014
Mittagsposition: 38° 31,9’N ; 028° 37,5’W
Etmal:108 sm
Wetter: Lufttemperatur: 13°C, Wassertemperatur: 15°C, Windrichtung: NNE, Windstärke: 5
Autor: Clara E.

„Clara, Clara!“ „Ja?“, frage ich schlaftrunken (schon verständlich, schließlich ist es halb zwei Uhr morgens!) „Heute ist der 27., wir laufen heute auf den Azoren ein! Es lohnt sich also sehr, Wache zu gehen.“ Tja, dann stehe ich wohl mal auf. „Ach ja, übrigens, es ist richtig kalt, mindestens zwei Pullis anziehen!“ Okay, gut zu wissen. Zwanzig Minuten später stehe ich auf dem Achterdeck. Leider hatte der Wecker nicht übertrieben, „richtig kalt“ war nett gesagt.
Immer noch nicht ganz wach, höre ich bei der Wachübergabe zu, doch erst als gefragt wird, wer ans Ruder gehen möchte, bin ich ganz da. „Ich!“ Nutze ich doch mal die Chance und gehe vor dem Einlaufen ein letztes Mal Ruder bei Wache II. Gesagt, getan. Na ja, das letzte Mal war es doch nicht, um 4 Uhr war dann das wirkliche letzte Mal. So, 10 Minuten vor 5, 5 vor 5, ah, da ist ja auch schon Wache III: “Gode Wacht!“ … „Gode Ruh!“ Und wieder ab ins warme Bett, wenn ich aufwache, sehe ich die Azoren!!! Tatsächlich! Ein zweites Mal: „Clara, Clara!“ „Ja?“ (Diesmal schon ausgeschlafener, es war halb zehn.) „Guten Morgen! An deiner Stelle würde ich schnell aufstehen, man sieht schon die Azoren. Außerdem ist Donnerstag und es gibt Nutella, Erdnussbutter und Pfannkuchen.“ Das reicht natürlich aus, um mich ganz aufzuwecken. Sofort ziehe ich mich an und schaue nach oben. WOW! Unser letzter Landaufenthalt und wir werden in 2 Stunden da sein. „Schaut mal, da ist der Pico! Und er ist frei!!!“, höre ich von allen Seiten. Wow, da möchte ich hoch! Richtig beeindruckend. Was ich allerdings nicht gedacht hätte, war, dass es hier auch noch Palmen gibt. Tja, wohl doch noch ein bisschen karibisches Flair… Nach einem gemütlichen Frühstück kommt Signal K. Klar zum Anlegen! Tja, leider ist unser Wunschanlegeplatz besetzt. Was ist denn das für ein Schiff? Tres hombres heißt es. Ahh, ein Schiff, das ohne Maschine und Strom eine Atlantiküberquerung macht und Kakaobohnen mitbringt, erklärt Detlef gerade. Ziemlich cool. Das Anlegen geht schneller, als ich dachte. Ich stehe gerade an den Fendern, als Lotte ruft: „Clara, Lust, mit dem Dinghi zu pushen?“ Ja klar habe ich Lust! Also auf geht’s! Wir sind echt angekommen und als ich die Achterleine über den Poller lege, wird mir klar, dass das eine der letzten Male sein wird…
Ein Grund mehr, diesen Landaufenthalt so richtig zu genießen!
Nach dem Anlegemanöver gibt es erstmal Essen. Aber davor noch eine kleine Überraschung: Alle einmal anstoßen auf die gelungene Etappe! So gut, wie es anfängt, geht es auch weiter: Nudelauflauf, sehr lecker. Danach Großreinschiff, Segel hafenfein packen, also Anlegeroutine. „Wer möchte auf die Mars?“ „Ich!“ Und hoch geht es mit Silas, Amara, Tommy und Alex. Gar nicht so einfach, auch wenn es eindeutig nicht das erste Mal ist. „Könnt ihr da noch die Falte wegziehen?“, „Ich gebe nochmal Lose in die Geien, dann könnt ihr das Schothorn noch weiter auf die Rah ziehen!“ und so weiter. Nach einiger Zeit sieht die Mars gar nicht schlecht aus und wir sind alle zufrieden. Weiter geht’s mit Reinschiff Sanitär. Ach nee, ich muss ja noch mit Clara zusammen den Müll wegbringen. Also ab nach unten, fix die Kammer machen und dann los. „Clara, Clara? Habt ihr was zu tun?“, fragt da Janek. „Wir wollten grad den Müll machen, wieso?“ „Ach, das ist nicht so wichtig, kommt mit!“ Etwas erstaunt kommen wir mit. „Also was machen wir denn jetzt?“ „Wir verholen die Tres Hombres.“ „Wie bitte?“ „Wir verholen die Tres Hombres!“ „Okay!“ Also geht es rüber zur anderen Seite der Pier. Eine kurze Anweisung, wofür welche Leine da ist und dann: „Six people for the blue one, six for the yellow one. And pull!“ Wow! Ein tolles Gefühl, ein Segelschiff „einfach mal“ 10 m weiter nach hinten zu ziehen!!! Gar nicht so schwer, wie man denkt! Nur eine Viertelstunde vergangen und schon sind wir schon wieder auf der Thor. Wird auch höchste Zeit, in dem Moment fällt mir nämlich auf, dass sich der Schiffsrat jetzt trifft. Nach der schnellen Schiffskontrolle soll Ben seinen Vortrag über Landeskunde Azoren halten, damit wir auch wissen, wo wir eigentlich genau sind. Aber halt – wenn wir jetzt schon die Tres Hombres verholt haben, kann die Thor ja auch nachrücken. Also das dritte Mal Leinen umlegen an dem Tag (dementsprechend geht es auch relativ fix!) Jetzt aber Bens Vortrag. Zehn Minuten später – und um einiges Wissen über die kleinen Inseln reicher- gibt es Abendessen.
Dann der erste Landgang auf den Azoren. Ganz besonders gespannt sind natürlich alle auf das bei allen KUSis legendäre Peter-Cafe-Sport. „Eine urige Kneipe!“, „Der beste Schokokuchen überhaupt!“ und „Richtig gemütlich!“ waren einige der Sachen, die uns zu Ohren gekommen sind. Also kommen KUSis in Scharen zum Peter-Cafe-Sport. Auch ich habe mit Lena, Clara, Clara und Alex kurz dort vorbeigeschaut. Also einmal fragen, ob Briefe angekommen sind und Schokokuchen und Kakao bei Theresa probieren und ab auf die Pier. Das konnten wir nämlich auch kaum erwarten: Einfach mal ganz in Ruhe auf die Pier setzen, quatschen und die Freizeit genießen! Etwas später dann geht das Quatschen in der Messe weiter. „Mist, schon 23 Uhr, ich habe in drei Stunden Wache!“
Tja, damit hat mein Tag dann auch geendet. Beeindruckt von der ersten europäischen Insel und gespannt auf die nächsten Tage, die wir darauf verbringen dürfen, falle ich in mein Bett.

Ich möchte noch gerne alle zuhause, besonders meine Familie und Freunde, grüßen!

Eure Clara E.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s