Logbuch vom 24.03.2014

Wir befinden uns heute am Montag, den 24.03.2014 um 19.00 Uhr BZ/ 21.00 Uhr UTC auf der Position 37°10,2`N und 035°22,1`W.
Mit Wind SE 4 laufen wir unter Maschine mit Sturmbesegelung Kurs 076° und 6,3 kn. Die Lufttemperatur beträgt 17,5°C, die Wassertemperatur 18°C. Bewölkt bis bedeckt. An Bord sind alle wohlauf und die Stimmung ist gut.
Heute wurde an Bord der Physiktest geschrieben, der zugleich den letzten Test der Unterrichtsphase darstellte. Die letzten Unterrichtsthemen werden bis Einlaufen Horta abgeschlossen. Auf See finden bis Kiel weiterhin Freiarbeiten statt, in denen sich die Jugendlichen mit der Unterstützung der Lehrkräfte weiter auf den Heimatunterricht vorbereiten.
Ein besonderes Ereignis war in der gestrigen Nacht das nächtliche Meeresleuchten (Biolumineszenz). Dieses begleitete uns immer wieder, entwickelte sich aber in der späten Sonntagnacht durch vorbeischwimmende Delfine zu einem prächtigen Lichterspiel.
Bis Horta sind es noch 334 sm. (ETA 27.03., 15:00 Uhr LT, Änderungen je nach Wetterlage möglich)

Andreas Holz, Projektleiter und Detlef Soitzek, Kapitän

 

„…it’s the final countdown!“

Datum: 24.03.14
Mittagsposition: 36°48,4’N, 036°07,2’W
Etmal: 147sm
Wetter: Lufttemperatur: 18,°C, Wassertemperatur: 18,°C, Wind: SE
AutorIn: Milena

Da sitze ich nun in der Messe, um mich herum herrscht emsiges Treiben und ich starre auf das leere Word Dokument, hänge meinen Gedanken nach. Man könnte meinen, jeder Tag hier sei etwas so Einzigartiges, dass Tagebuchschreiben das einfachste der Welt ist, einfach nur die schönsten Momente zusammengefasst und für euch Leser niedergeschrieben. Stattdessen ist mein erster Gedanke doch tatsächlich: „Über was soll ich denn nur schreiben? War doch alles ganz normal heute, so wie immer!” Das ist ein wenig erschreckend, denn “normal” im herkömmlichen Sinne war dieser Tag ganz bestimmt nicht. Vor fast genau 5 Monaten wäre es wohl sogar einer der außergewöhnlichsten Tage meines Lebens gewesen. Im Grunde genommen ist er das noch immer, doch mittlerweile fühlt es sich für uns alle einfach so nach Alltag an. Den Gedanken zu realisieren, 190 Tage lang hintereinander einen der besondersten Tage deines Lebens zu erleben, ist fast unvorstellbar. Vielleicht schreiben wir auch deshalb diese Tagebücher, um uns über die Besonderheit der tausend außergewöhnlichen Momente hier an Bord bewusst zu werden. Die Thor, unser Zuhause, ein schaukelndes Segelschiff auf den endlosen Wellen des Ozeans, wie eine Fantasiewelt, die nicht nur aus Wörtern in einem Märchenbuch besteht, sondern wirklich existiert. Zugegeben, als ich um halb 5 Uhr morgens aus meinen Träumen gerissen wurde, fühlte es sich im ersten Moment statt Märchen eher nach fieser Gemeinheit an. Die Gedanken des beginnenden Tages gehörten mehr dem Schmerz darüber, meiner kuscheligen, gemütlichen, warmen und weichen Koje auf Wiedersehen sagen zu müssen, als der Freude auf das dunkle, kalte und windige Achterdeck. Doch der Sonnenaufgang direkt vor unserem Bug, kam in jedem Fall traumhaften Vorstellungen nach: Erst die rosa gefärbten Wolken am Horizont und dann irgendwann, das plötzliche Auftauchen der ersten Strahlen eines orangeroten Feuerballs. Weiterlesen