„K…sport an Backbord“

Datum: 21.03.14
Mittagsposition: 34° 57,1`N 043° 42,0`W
Etmal: 131 sm
Wetter: Lufttemperatur: 20,5°C, Wassertemperatur: 19,5°C, Wind: WSW4-5
Autor: Simon

Als ich heute früh um 05.45 Uhr „geweckt“ wurde, um den Generator und die Osmoseanlage anzuschalten und die Fäkalientanks auszupumpen, dachte ich mir schon, dass der Tag einige Strapazen bereitstellen würde. Alleine schon, dass man nur geweckt werden kann, wenn man auch wirklich schläft! Das ist bei einem Wellengang, bei dem man mehrmals aus dem Bett fällt, gar nicht mal so einfach! Das heißt, ich war schon wach, als mein persönlicher Weckdienst ins Zimmer spaziert kam! Das Abpumpen und der Rest hat ganz gut funktioniert und ich lag auch schon um 06.20 Uhr wieder im Bett, doch als ich um 07.00 Uhr wieder geweckt wurde, um meinen letzten Tag als Maschinen-Praktikant anzufangen, wurde ich gleich mal von einem unangenehmen Geruch empfangen! Keiner wusste, warum es so roch, aber, dass das schon um 06.40 Uhr angefangen hatte, wusste jeder. Der Geruch verbreitete sich überall unter Deck und toppte somit noch den ebenfalls sehr unangenehmen Geruch der Sanitärglocken, vor allem bei Verschlusszustand. Meine ersten Gedanken waren sofort: „Verdammt, das riecht nach Fäkalientank und ich war derjenige, der den heute früh ausgepumpt hat! Hab´ ich was offen gelassen?“ Ich bin dann sofort in die Last gelaufen, um zu schauen, was passiert war, doch außer, dass der Geruch aus der Last kam (es wurde echt fast unerträglich), konnte ich erstmal nichts entdecken. Als unser Maschinist zum Frühstück runterkam, war sein erster Satz gleich mal: „Das riecht hier aber verdächtig nach Fäkalientank. Was habt ihr jetzt schon wieder gemacht?“
Sofort wurden wir aufgeklärt, dass der Geruch erst entstand, als die Sicherheitsrundenbeauftragte den Kärcher, der vom Fäkalientank heruntergefallen war, wieder auf ihn hinauf gelegt hatte. Unser Maschinist hatte sofort die Vermutung, dass das Probeventil durch den Sturz des Kärchers geöffnet worden war oder dass eine Leitung zum Fäkalientank abgerissen ist. Als er dann mit mir nochmal in die Last gegangen ist, entdeckten wir, dass das eben genannte Probeventil geöffnet war und sich ein schöner, starker Fäkalienstrahl zielstrebig in die Bilge unter der Osmoseanlage ergoss! Ich habe sofort das Ventil, das normalerweise zur Entnahme kleiner Proben aus dem Fäkalientank dient, zugedreht! Nichtsdestotrotz hatten wir nun eine Fäkalienprobe von ca. 100 l in unseren Lastbilgen. Wache 3, die in dieser Woche Sanitär putzen darf, hat sich sehr gefreut, als sie von ihrer Wache zum Frühstück runterkamen und gleich mal erfahren mussten, dass ihre heutige „Spezialaufgabe“ in der Last Bilgen auspumpen und säubern war! Natürlich haben die anderen Wachen und auch der Bootsmann mit seinem Praktikanten geholfen, die ganze Last zu putzen, trotzdem wird uns der Geruch wahrscheinlich noch einige Tage begleiten.
Im Verlauf des weiteren Tages putzte und desinfizierte ich ein paar mal die Last und habe die Hauptmaschine startklar gemacht und eine Zinkdiode zugesägt und zugeschliffen. Die Müdigkeit machte sich eigentlich nur in meiner Mittagspause bemerkbar, als ich Physik für den anstehenden Test lernen wollte! Ansonsten war ich einfach etwas unkonzentriert und langsam, sehr zu „Freuden“ unseres Maschinisten. Zu der Zeit, als ich auf dem Achterdeck den Ruderkasten abschmieren sollte, gab es auch einige sehr hohe Wellen, die in Verbindung mit dem vorhergehenden Wellental eine sehr schöne, aber auch gewöhnungsbedürftige Aussicht auf das Wasser vor dem Schiff ermöglichte. Es ist nämlich schon komisch, das Wasser vor dem Schiff auf Höhe der Breitfock- oder sogar der Marsrah zu sehen! Man selber hing also gefühlte 25 m in der Luft und sah nur noch eine riesige Welle vor dem Schiff, während es sich anfühlte als würde man auf einem 50m Surfbrett Wellenreiten. Die Schwierigkeit, nicht das Gleichgewicht zu verlieren, war auch ungefähr die selbe!
Insgesamt war damit der ganze Tag ziemlich stressig, aber es war auch wieder ein Tag, an dem man eine Menge neue Erfahrungen machen konnte!

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